Angebotsplanung

Das Grundkonzept des Integralen Taktfahrplans (ITF) in Nordrhein-Westfalen (NRW) ist nunmehr fast fünfzehn Jahre alt. Das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW (KC ITF NRW) entwickelt zusammen mit dem Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (VM) sowie den Aufgabenträgern des SPNV das Nahverkehrsangebot auf der Schiene weiter.

Um den NRW-Takt weiterhin attraktiv zu halten, ist eine intensive Prüfung und Modifizierung des Angebots erforderlich. Verschiedene Einflüsse spielen dabei eine wesentliche Rolle, z. B.:

  • unterschiedliche Entwicklung des ITF-Angebots,
  • veränderte Verkehrsströme und unterschiedliche Nachfrageentwicklungen,
  • Änderungen im Fernverkehr,
  • Steigerung des Güterverkehrsaufkommens und internationale Güterverkehre,
  • wirtschaftliche und raumstrukturelle Änderungen,
  • Modifikationen der Infrastruktur (Trassen, Stationen, Fahrzeuge),
  • eine Vielzahl von Wettbewerbsnetzen und Verkehrsunternehmen,
  • neue Produkte und Konzepte mit zum Teil landesweiter Ausstrahlung.

Herausforderungen

Herausforderung Wettbewerb

Der Wettbewerbsgedanke findet sich aus wirtschaftlichen Gründen auch im SPNV konsequent wieder. Dieser führt in der Regel zu deutlichen qualitativen Verbesserungen. Die Vergabe von einzelnen Wettbewerbsnetzen schränkt jedoch auf Grund der oft langen Vertragslaufzeiten (teilweise bis zu fünfzehn Jahre) kurz- bis mittelfristige konzeptionelle Anpassungen des ITF zunehmend ein. Änderungen sind dann meistens nur noch innerhalb der einzelnen Wettbewerbsnetze möglich. Großflächige Überplanungen sind schwieriger umzusetzen. Da das Land NRW bedingt durch sein dichtes Streckennetz eine Vielzahl von möglichen Lienenlaufwegoptionen aufweist, ist es besonders wichtig, bereits bei der Zuschneidung neuer Wettbewerbsnetze auch mittelfristige ITF-Planungen zu berücksichtigen.

Herausforderung Wirtschaftlichkeit

Die ständige Überprüfung der Wirtschaftlichkeit des SPNV ist von besonders großer Bedeutung. Einer der Aufgaben der ITF-Planung ist daher die Wirtschaftlichkeitsprüfung der jeweiligen Teilnetze. Hierbei ist jedoch möglichst das bisherige Fahrplanangebot sicherzustellen. Einsparungen sollten sich daher überwiegend aus betrieblichen Optimierungen ergeben.

Herausforderung Fernverkehr

In den vergangenen Jahren hat sich der Fernverkehr aus vielen Regionen zurückgezogen. Durch den ITF 1plus konnten die ersten Angebotslücken geschlossen werden. Mittlerweile ist auf Grund der Kürzung von Einzellagen – zudem oft tageweise unterschiedlich - des Fernverkehrs eine wirtschaftliche und verkehrliche Lückenschließung durch den SPNV kaum noch möglich. Zudem kann der SPNV künftig nicht der Lückenfüller unwirtschaftlicher Fernverkehrsangebote werden.

Planungen Rhein-Ruhr-Express

Eine wichtige Aufgabe des KC ITF NRW ist die Abstimmung der Planungen zum Vorlaufbetrieb des Rhein-Ruhr-Express (RRX). Bereits jetzt sind Konzepte zu entwickeln, die kompatibel sind mit den RRX-Planungen.

Die neuen RRX-Fahrzeuge, Typ HC Desiro von Siemens (Quelle:  Siemens AG/www.siemens.com/presse)
Die neuen RRX-Fahrzeuge, Typ HC Desiro von Siemens (Quelle: Siemens AG/www.siemens.com/presse)

Mit dem RRX wird gegenwärtig die Einführung eines neuen Schienenverkehrsproduktes in Nordrhein-Westfalen geplant, das qualitativ zwischen dem heutigen Schienenpersonenfernverkehr (IC/ICE) und dem RegionalExpress (RE) angesiedelt ist. Der RRX versteht sich als Premiumprodukt des SPNV, dessen Kernstrecke durch die Rhein-Ruhr-Achse (Hamm –) Dortmund – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln gebildet wird. Der RRX soll aus insgesamt sieben Linien bestehen, die jeweils im 60-Minuten-Takt verkehren. Zwischen Dortmund und Köln überlagern sich die Linien zu einem durchgehenden 15-Minuten-Takt.

Im Oktober 2006 legte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) eine Realisierungsstudie zum RRX vor, die unter aktiver Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Deutschen Bahn AG erarbeitet wurde.

Für das Ziel eines verbesserten Angebotes mit einer hohen Fahrplanstabilität ist ein Ausbau der Schieneninfrastruktur in Teilbereichen der Kernstrecke zwingend erforderlich. Kernelemente dieses Ausbaus sind:

  • Vervollständigung der Viergleisigkeit Köln-Mülheim bis Düsseldorf-Reisholz,
  • sechsgleisiger Ausbau von Düsseldorf-Reisholz bis Duisburg-Großenbaum,
  • punktuelle Maßnahmen in Essen-Steele, Essen-Steele Ost und Bochum-Langendreer
  • Umgestaltung des Spurplanes im Großknoten Dortmund,
  • Umbaumaßnahmen an den Verkehrsstationen Leverkusen Mitte, Düsseldorf-Reisholz, Düsseldorf Hbf, Düsseldorf Flughafen, Düsseldorf-Angermund, Duisburg-Rahm, Essen-Steele, Dortmund Hbf und Kamen.

Im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP 2030) des Bundes ist der Ausbau der Infrastruktur zwischen Köln und Dortmund für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) mit insgesamt drei Maßnahmen berücksichtigt. Der viergleisige Ausbau der Strecke Köln – Dortmund ist dabei als Vordringlicher Bedarf-Engpassbeseitigung in die höchste Dinglichkeitskategorie eingestuft. Das 5. und 6. Gleis zwischen Duisburg und Düsseldorf ist in den Vordringlichen Bedarf eingeordnet. Mit Düsseldorf-Benrath und Köln-Mülheim sind weitere Systemhalte des RRX untersucht worden. Der Halt Düsseldorf-Benrath ist mit dem erforderlichen Infrastrukturausbau im Vordringlichen Bedarf enthalten, Köln-Mülheim wird gemäß Ausbaugesetz als Systemhalt ohne Infrastrukturausbau ebenfalls berücksichtigt. Das nach dem derzeitigen Ausbaugesetz gültige Konzept ist in der unten stehenden Abbildung dargestellt.

Das KC ITF NRW berücksichtigt die Planungen zum RRX bei allen zuvor anstehenden Planungen, so dass eine Kompatibilität mit dem RRX-Konzept stets gewährleistet ist. Nach erfolgtem Infrastrukturausbau ist damit eine reibungslose Inbetriebnahme des RRX-Netzes gewährleistet.

Planungen grenzüberschreitende Verkehre

Derzeit gibt es in NRW vier grenzüberschreitende SPNV-Korridore in das EU-Ausland:

  • Münster – Gronau – Enschede NL (RB51,RB64)
  • Düsseldorf – M´gladbach – Venlo NL (RE13)
  • Aachen – Heerlen NL (RB20)
  • Aachen – Liège B (RE29)
  • Düsseldorf – Wesel – Emmerich – Arnhem NL (RE19)
  • Bielefeld – Osnabrück – Rheine – Bad Bentheim – Hengelo NL (RB61)

Durch intensive Abstimmungen zwischen NRW (teils auch Niedersachsen), den Niederlanden und den Zweckverbänden werden in naher Zukunft weitere, grenzüberschreitende Angebotskonzepte umgesetzt. Hierzu gehören folgende Strecken:

  • Aachen – Herzogenrath – Heerlen – Maastricht (RE18); vsl. ab 12/2016

Weitere Planungen bestehen derzeit v. a. im Dreiländereck bei Aachen.

Grenzüberschreitende Verkehre, Quelle: KC ITF NRW
Grenzüberschreitende Verkehre ( PDF-Datei / 857 kB)

Planungen S-Bahn-Takt 15´/30´

Das KC ITF NRW wurde vom MBWSV beauftragt, eine Machbarkeitsprüfung zur möglichen Einführung eines S-Bahn 15´/30´ Takts zu erstellen.

Derzeit basiert das S-Bahn Netz in NRW grundsätzlich auf einem 20-Minuten-Takt, der im Spätverkehr und am Wochenende auf einen 30‘-Takt umgestellt wird. Im Vorfeld der anstehenden der Wettbewerbsverfahren zur S-Bahn NRW bot sich für viele Jahre die letztmalige Gelegenheit, eine neue Angebotskonzeption für das S-Bahn Netz in NRW zu untersuchen.

Durch die Einführung eines S-Bahn 15´/30´ Taktes kann i. d. R. ein nachfragegerechteres Angebot eingeführt werden. Hierbei würde auf allen Linien ein 30-Minuten Grundtakt verkehren, welcher auf den meisten Linien in der HVZ auf einen 15-Minuten-Takt verdichtet werden könnte. Auf sehr nachfragestarken Linien könnte auch die Einführung eines ganztägigen 15-Minunten-Taktes denkbar sein, welcher ggf. nur in nachfragestarken Teilabschnitten angeboten würde. Ein Kürzen oder Verlängern der HVZ-Periode ist bei entsprechender Nachfrageentwicklung einfach umsetzbar. Parallel zum 30-Minuten Grundtakt ist auf einigen Abschnitten (z. B. Wuppertal – Essen) die Einführung eines schnelleren RB-Produktes vorgesehen, um attraktivere Punkt-zu-Punkt Verkehre anbieten zu können. Durch den ganztägig an allen Verkehrstagen angebotenen 30-Minunten Grundtakt würde der derzeitige Taktsprung in den Abendstunden (Wechsel von Takt 20´ auf Takt 30´) entfallen. Zudem würde der 30-Minunten Grundtakt die Merkbarkeit des Fahrplans deutlich verbessern, da dieser an jedem Tag und zur jeden Stunde gefahren würde.

Ein weiterer Vorteil einer Taktumstellung wäre die Harmonisierung des teils parallel oder verknüpfend verkehrenden übrigen Regionalverkehrs, welcher mehrheitlich im 60-Minuten Takt bzw. 30-Minuten Takt verkehrt. Auch zum künftigen 15-Minuten Takt im Rhein-Ruhr-Express (RRX) wäre eine neuer S-Bahn Takt besser abgestimmt.

Die Projektbearbeitung wurde maßgeblich durch die SPNV-Aufgabenträger Nahverkehr Rheinland (NVR), Verkehrsverbund Rhein/Ruhr (VRR) und Nahverkehr-Westfalen Lippe (NWL), sowie der DB Netz AG (Regionalbereich West) begleitet. Unterstützend war zudem während der gesamten Projektphase der derzeitiger Gutachter für das KC ITF NRW, die SMA und Partner AG, tätig.

Die Machbarkeitsprüfung wurde in die nachfolgend genannten Teilprojekte gegliedert:

  • Ausarbeitung der Angebotskonzeption
  • Fahrplanrobustheitsprüfung (inkl. vorheriger Prüfung der Fahrbarkeit)
  • NRW-Nachfrageprognoseuntersuchung

Die ersten Ergebnisse der Nachfrageprognoseuntersuchung haben ergeben, dass eine Taktumstellung in den Bereichen Köln und Düsseldorf nicht zu empfehlen wäre. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde das sog. Taktszenario 2 entwickelt, welches eine Taktumstellung in etwa östlich einer Diagonale Duisburg / Wuppertal vorsehen würde.

Durch die Taktumstellung in diesem Bereich könnte der vielfach positiv prognostizierten Nachfrageentwicklung v. a im zentralen und nördlichen Ruhrgebiet Rechnung getragen werden. Vor diesem Hintergrund wird die Umsetzung des Taktszenarios 2 vom KC ITF NRW verkehrlich für sinnvoll erhalten und ausdrücklich unterstützt. Die Umstellung des S Bahn Taktes gemäß Taktszenario 2 wird zum Fahrplanwechsel 12/2019 umgesetzt.

S-Bahn Rhein-Ruhr, Baureihe 422, Quelle: Deutsche Bahn AG
S-Bahn Rhein-Ruhr, Baureihe 422

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Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe