Infrastrukturplanung

Das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW (KC ITF NRW) verfolgt den ITF-Planungsansatz der nachfrageorientierten, fahrplanbasierten Infrastrukturplanung. Neben der Beseitigung bereits heute bestehender Engpässe müssen künftige Angebots- und Infrastrukturplanungen eng aufeinander abgestimmt werden. Das KC ITF NRW wirkt hier als Koordinator zwischen den verschiedenen Akteuren.

Herausforderung Infrastruktur

Das Transitland NRW ist geprägt durch viele Mischbetriebsstrecken. So müssen sich Fern-, Nah- und Güterverkehr oft die Kapazitäten auf der Strecke teilen, wodurch die Verspätungs- und Störanfälligkeit erhöht wird. Zusätzlich führen viele eingleisige Streckenabschnitte mit zurück gebauten Kreuzungsmöglichkeiten zu Kapazitätsengpässen. Es ist daher zwingend erforderlich, die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur heute und auch langfristig sicherzustellen. Hierzu müssen wichtige Ausbauprojekte zügig umgesetzt werden. Hierzu gehören z. B. der dreigleisige Ausbau der Betuwe-Linie zwischen der niederländischen Grenze und Oberhausen, der sechsgleisige Ausbau zwischen Duisburg und Düsseldorf im Rahmen der RRX-Planungen und der Ausbau der eingleisigen Strecke Lünen – Münster.

SPNV-Beirat

Auch durch kleinere Maßnahmen, wie z. B. der Einbau von zusätzlichen Weichenverbindungen, können betriebliche Engpässe beseitigt werden. Das KC ITF NRW hat vor diesem Hintergrund die Infrastruktur auf Schwachstellen untersucht. Viele der Untersuchungsergebnisse sind vom SPNV-Beirat NRW aufgenommen worden. Dieser wurde im Herbst 2010 seitens des Verkehrsministeriums NRW eingerichtet. Neben den Zweckverbänden NRW und den Eisenbahninfrastrukturunternehmen saßen auch Verkehrsunternehmen dem Beirat bei. Die Maßnahmen des Schlussberichts (PDF-Datei / 412 kB) sollen nun sukzessive und möglichst bis 2015 umgesetzt werden.

Darüber hinaus hat der SPNV-Beirat eine weitere Liste mit langfristigen Infrastrukturmaßnahmen erarbeitet – Zweiter Abschlussbericht (PDF-Datei / 114 kB). Deren Umsetzung führt zu einer spürbaren Verbesserung der betrieblichen Situation bis zum Jahre 2030.

Gebündelt werden die Maßnahmen in der Broschüre zum SPNV-Beirat NRW (PDF-Datei / 8 MB), welche neben der tabellarischen Auflistung auch eine kartografische Darstellung beinhaltet.

Modernisierung der Bahnhöfe

Die vom Land Nordrhein-Westfalen, den drei Aufgabenträgern (NWL, NVR, VRR) sowie der DB Station & Service AG im Jahr 2000 initiierte Modernisierungsoffensive geht in die dritte Runde. Im Rahmen der ersten Modernisierungsoffensive (MOF 1) wurden bereits rund 90 Stationen mit dem Ziel eines behindertengerechten Ausbaus (Erhöhung der Bahnsteige, Rampenanlagen, Aufzüge, Personenüber- und -unterführungen, taktile Leitsysteme) sowie einer deutlichen Verbesserung der Aufenthaltsqualität (Neubau/Modernisierung der Ausstattungselemente, Bahnsteigdächer, Beleuchtung, Wegeleitungen und Informationstechnik) um- und ausgebaut.

Stationsübersicht MOF 1-3 NRW
Stationsübersicht MOF 1-3 NRW ( PDF-Datei / 171 kB)

In der 2008 abgeschlossenen Rahmenvereinbarung zur Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe in NRW (MOF 2) wurden zunächst 108 weitere Bahnstationen ins Auge gefasst. Da bei der Umsetzung der bisherigen Projekte finanzielle Einsparungen erzielt werden konnten, wurde die MOF 2 auf rund 117 Bahnstationen erweitert. Die Finanzierung der MOF 2 erfolgt durch Mittel von Bund und Land sowie durch einen Eigenanteil der DB AG. Bis zum Programmende voraussichtlich 2019 werden insgesamt rund 415 Millionen Euro investiert sein. Die bauliche Realisierung liegt in der Verantwortung der DB Station & Service AG.

Insgesamt 35 Bahnhöfe sollen nun bis 2023 im Rahmen der nachfolgenden MOF 3 modernisiert werden. Für die Projekte zum Ausbau der Barrierefreiheit, Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Informationen für die Reisenden werden insgesamt rund 162 Millionen Euro bereitgestellt. Davon tragen der VRR und der NWL insgesamt 86,6 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn übernimmt Kosten in Höhe von 75,2 Millionen Euro.

Mit dem NVR steht die DB Station & Service AG derzeit im Austausch mit dem Ziel auch hier weitere Bahnstationen zu modernisieren.

Bahnsteignutzlängen- und -höhenkonzept NRW

Verschiedene Einflussfaktoren wie die aktuellen Wettbewerbsplanungen mit entsprechenden Fahrzeug­konzepten, neue Crash-Normen für Fahrzeuge und notwendige Ausweitungen von Fahrzeug­kapazitäten führen zu neuen Anforderungen an den Bahnstationen in NRW. Um diesen Anforderungen Rechnung zu tragen und eine langfristige Planungssicherheit zu gewährleisten, ist durch das Kompetenzcenter ITF NRW in Abstimmung mit DB Station&Service AG sowie den SPNV-Aufgabenträgern NRWs und dem Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr ein landesweites Bahnsteignutzlängen- und -höhenkonzept entwickelt worden, welches die langfristigen Bahnsteignutzlängen und Bahnsteighöhen in NRW zusammenfasst.

Die Katalogisierung basiert auf den Planungen der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs und der DB Fernverkehr AG. Eine stringente Umsetzung hilft der Sicherstellung der betrieblichen Qualität des SPNV in NRW, fördert kurze Fahrgastwechselzeiten und sorgt langfristig landesweit für barrierefreie Ein- und Ausstiegs­möglichkeiten. Durch die vorgenommene Differenzierung der Bahnsteignutzlängen sowie die bahnsteigscharfe Zuordnung ist zudem eine passgenaue und damit langfristig wirtschaftliche Modernisierung von Bahnsteigen möglich.

Das Bahnsteignutzlängen- und -höhenkonzept ist im März 2016 über die Verwaltungsvorschriften zum ÖPNV-Gesetz NRW in Kraft getreten und damit bei Infrastrukturförderungen nach dem ÖPNV-Gesetz von den Bewilligungsbehörden zwingend zu beachten.

Brückenzustand NRW

Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Zustand der Eisenbahnbrücken in NRW zeigt, dass hier bereits heute erheblicher Investitionsbedarf in die Schieneninfrastruktur besteht. Prominentestes Beispiel ist die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid, welche aufgrund von Sanierungsarbeiten noch bis zum Ende des Jahres 2014 für den Bahnverkehr der Linie S 7 gesperrt sein wird.

Quelle: KC ITF NRW
Modernisierte Brücke in Bielefeld (Stapenhorststraße, Zustandskategorie 1)

Der Infrastruktureigentümer - die DB Netz AG - teilt die bestehenden Brückenbauwerke in vier verschiedene Zustandskategorien ein. Kategorie 1 bedeutet dabei, dass maximal punktuelle Schäden an Bauwerksteilen bestehen. In dieser Kategorie sind auch Brücken erfasst, welche gerade neu saniert wurden und keine Mängel aufweisen. Eine Kategorie 0 gibt es demnach nicht, so dass die Anzahl der mängellosen Brücken nicht dargestellt werden kann. Kategorie 4 steht für gravierende Mängel, welche die Sicherheit noch nicht beeinflussen. Die DB selbst spricht aufgrund der vorgenommenen Eingruppierung ab einer Einstufung in die Zustandskategorien 3 und 4 von dringend sanierungsbedürftigen Brückenbauwerken.

Quelle: KC ITF NRW
Brücke Höhe Bielefeld-Ummeln (Zustandskategorie 4)

In NRW gibt es auf den Schienenwegen der DB mehr als 4.300 Brückenbauwerke unterschiedlichster Formen und Bauarten. Insgesamt sind rund 1.900 Brücken der Kategorie 3 und 4 zugeordnet, was einem Anteil von rd. 44 % entspricht. Bei den 262 Brücken der Kategorie 4 ist eine wirtschaftliche Instandsetzung nicht mehr möglich. Diese Brücken sollen nach eigener Aussage der DB in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren erneuert werden.

Mängel an Brückenbauwerken spielen bei der jährlichen Analyse der Langsamfahrstellen, welche das KC ITF NRW in einem jährlichen Turnus vornimmt, keine übergeordnete Rolle. Demnach gibt es derzeit (noch) keine überdurchschnittliche starke Beeinträchtigung des Schienenverkehrs durch Geschwindigkeitsreduzierungen aufgrund von Brückenschäden.

Zustand Brücken NRW, Quelle: KC ITF NRW
Zustand Brücken NRW ( PDF-Datei / 860 kB)

Reaktivierungen

Einige Bahnstrecken oder Streckenabschnitte in NRW konnten in den vergangenen Jahren wieder reaktiviert werden. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden sind die stufenweisen Reaktivierungen im euregionetz im Raum Aachen sowie das Projekt Haller Willem. Nennenswert sind außerdem die Reaktivierungen der Außenäste der Regiobahn von Kaarst nach Mettmann sowie der Teilabschnitte zwischen Gummersbach, Marienheide und Meinerzhagen, wobei der finale Lückenschluss bis Brügge im Jahr 2016 erfolgen soll.

SPNV-Reaktivierungen NRW, Quelle: KC ITF NRW
SPNV-Reaktivierungen NRW ( PDF-Datei / 412 kB)

Weitere Informationen


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Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe