Qualitätsanalysen

Seit 2011 werden die Qualitätsberichte für Infrastruktur und Betriebsqualität in Bielefeld gebündelt und als Qualitätsbericht SPNV NRW herausgegeben. Das seit 2009 durchgeführte Monitoring der Langsamfahrstellen in NRW (Netzzustandsberichte) wurde als Bestandteil der Infrastrukturanalyse in den Qualitätsbericht integriert. Somit erhält der Leser einen gesamten Überblick über die Qualität und mögliche Mängel des SPNV in NRW. Der Qualitätsbericht, der zudem jeweils aktuelle Themen des SPNV in NRW aufgreift, wird im Auftrag des Ministeriums für Verkehr (VM) erstellt.

Qualitätsbericht SPNV NRW 2017

Der Qualitätsbericht SPNV NRW 2017 liegt vor und fasst auf 63 Seiten die Situation der Betriebs- und Infrastrukturqualität in Nordrhein-Westfalen in einem landesweiten Bericht zusammen. Die Linien des Nahverkehrs zeigen 2017 insgesamt einen deutlichen Rückgang der Pünktlichkeit (NRW-weit waren rd. 87% alle Nahverkehrszüge pünktlich). Am stärksten betroffen sind die RegionalExpress-Linien (- 2,7 Prozentpunkte). Vor allem die stark nachgefragten RE-Linien zwischen Köln und Dortmund, RE 1 (Aachen – Köln – Hamm), RE 6 (Köln – Essen – Minden) und RE 11 (Düsseldorf – Hamm – Paderborn/Kassel) verkehren sehr unpünktlich. Ebenfalls am Ende der Pünktlichkeitsstatistik finden sich der RE 5 (Koblenz – Düsseldorf – Wesel) und RE 7 (Krefeld – Köln – Münster). Auch die Quoten der RegionalBahnen (- 2,2 Prozentpunkte) und S-Bahnen (- 0,7 Prozentpunkte) zeigen 2017 eine Abnahme der Pünktlichkeit. Seit Jahren beeinträchtigen Trassenkonflikte v. a. mit Fernverkehrszügen und Kapazitätsengpässe v. a. auf den Hauptverkehrsachsen den täglichen Betrieb. Die Strecke Köln – Düsseldorf – Essen – Dortmund ist ein seit Jahren fast durchgehend überlasteter Schienenweg. Eine Zunahme der Baustellen im Streckennetz und das Fehlen leistungsfähiger Fahrweg-Alternativen führen zu einer weiteren Überlastung der Infrastruktur. All diese Probleme erfordern eine gemeinsame Antwort aller Beteiligten für eine zukunftsfähige Lösung dieser.

Mit insgesamt 49 betriebenen Linien im nordrhein-westfälischen Nahverkehr ist die Deutsche Bahn AG weiterhin das führende Verkehrsunternehmen in NRW. Der Marktanteil von insgesamt rund 62 Prozent des jährlichen Leistungsvolumens (Zugkilometer) ist aufgrund zunehmend wettbewerblich vergebener Linien weiterhin Rückläufig. 2016 sind erstmals über 50 Prozent des jährlichen landesweiten Leistungsvolumens im Wettbewerbsverfahren vergeben, 2017 werden bereits rd. 80% der Fahrten im Nahverkehr in sog. Wettbewerbsnetzen erbracht.

SPNV-Betreiber NRW 2017, Quelle: KC ITF NRW
SPNV-Betreiber NRW 2017 (PDF-Datei / 182 kB)

Von den rd. 100 Nahverkehrslinien in NRW verbleiben rd. 20 Linien, die bislang nicht im Wettbewerb vergeben sind, überwiegend in den auslaufenden Großverträgen mit der DB. Dies sind insbesondere die beiden S-Bahn-Netze in Köln und zwischen Rhein und Ruhr, deren Betrieb ab Dezember 2019 auf Keolis und National Express übergehen wird.

SPNV-Betreiber NRW 2021, Quelle: KC ITF NRW
SPNV-Betreiber NRW 2021 (PDF-Datei / 230 kB)

Zugausfälle im Jahr 2017 sind weiterhin auf zwei Schwerpunktthemen zurückzuführen: Die hohe Bautätigkeit im Streckennetz und ein bei mehreren Verkehrsunternehmen zu beobachtender Personalmangel. Baustellen rund um die Knoten Düsseldorf und Köln und die linke Rheinstrecke oder die Aufschaltung des ESTW Wuppertal haben 2017 zu Haltausfällen und Umleitungen im Nahverkehr geführt. Gemessen an der Gesamtleistung des SPNV im vergangenen Jahr – rd. 107 Mio. Zugkilometer – sind 2017 rd. 2,1 Mio. Zugkilometer in NRW vorhersehbar bzw. planmäßig ausgefallen. Im Mittel sind RE-Linien (2,1%), RB-Linien (2,0%) und S-Bahnen (2,3%) ähnlich stark beeinträchtig. Weil den Verkehrsunternehmen kurzfristig zu wenig Personal für den Betrieb zur Verfügung stand, waren auch 2017 insbesondere Regionalbahnen von unvorhersehbaren Zugausfällen betroffen. Vor allem das Thema Baustellen wird auch in den nächsten Jahren den Schienenverkehr in NRW stark beeinträchtigen (siehe Übersicht Großbaustellen NRW 2018 – 2020).

Die jährlichen Zustandsbewertungen der rund 771 Verkehrsstationen durch die Aufgabenträger zeigen eine landesweite Verbesserung der Stationsqualität. 500 der bewerteten Stationen - nach den Kriterien Sauberkeit, Funktionalität und Graffiti - weisen ein Erscheinungsbild auf, welches als akzeptabel eingestuft wird. Weitere 184 Stationen erreichen eine noch akzeptable Bewertung. Mit rd. 77 Stationen, denen ein „nicht akzeptables Erscheinungsbild“ bescheinigt wird, bleibt jedoch der Handlungsbedarf für Verbesserungen durch die Infrastrukturbetreiber und die Qualitätsprüfung durch die Aufgabenträger weiterhin bestehen. 10 Stationen wurden aufgrund laufender umfangreicher Baumaßnahmen nicht bewertet. Weitere Verbesserungen sind durch die laufenden oder in den kommenden Jahren beginnenden Modernisierungsvorhaben zu erwarten.

Stationsqualität NRW 2017, Quelle: KC ITF NRW
Stationsqualität NRW 2017 (PDF-Datei / 215 kB)

Infrastrukturplanung - Modernisierung der Bahnhöfe

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Langsamfahrstellen NRW

Als Langsamfahrstelle (La-Stelle) bezeichnet man einen Streckenabschnitt, auf dem aus unterschiedlichen Gründen die eigentlich zulässige Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt werden muss. Ursachen hierfür sind Bautätigkeiten, Mängel an der Infrastruktur oder signal- und sicherungstechnische Abhängigkeiten.

Die La-Analyse im Rahmen des Qualitätsberichtes NRW basiert auf einer stichprobenartigen, monatlichen Auswertung. Da La-Stellen bei der Erstellung des Jahresfahrplans (basierend auf dem Verzeichnis der zulässigen Geschwindigkeiten – kurz VzG) nicht berücksichtigt werden, können sie bei entsprechender Ausprägung (Lage und Höhe der Geschwindigkeitsreduktion) erheblichen Einfluss auf die Fahrplanstabilität haben. Die landesweite Auswertung des KC ITF NRW unterscheidet daher zwischen der Anzahl und der Länge der festgestellten La-Stellen. Mit Blick auf die Ergebnisse seit 2009 wird deutlich, dass sich die Anzahl an La-Stellen im nordrhein-westfälischen Streckennetz seit 2013 halbiert hat, die Länge der betroffenen Streckenabschnitte hingegen dem Niveau von 2009 entspricht. Ein Großteil der Geschwindigkeitsreduzierungen ist weiterhin auf baustellenbedingte La-Stellen zurückzuführen. Durch eine zunehmende Bündelung einzelner Maßnahmen sind daher insbesondere von Baumaßnahmen betroffenen Streckenabschnitte deutlich länger als in den Vorjahren.

Anzahl La-Stellen 2009–2017, Quelle: KC ITF NRW
Anzahl La-Stellen 2009–2017 (PDF-Datei / 183 kB)
Länge Länge La-Stellen 2009–2017, Quelle: KC ITF NRW
Länge La-Stellen 2009–2016 (PDF-Datei / 183 kB)

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Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe