Qualität

© iStock / ollo

Jährliche Qualitätsanalysen


Seit 2011 veröffentlicht das KC ITF NRW die Qualitätsdaten des Schienenpersonennahverkehrs für Betrieb und Infrastruktur jährlich in einem landesweiten Qualitätsbericht SPNV NRW.

Das bereits seit 2009 durchgeführte Monitoring der Langsamfahrstellen in NRW (Netzzustandsberichte) wurde als Bestandteil der Infrastrukturbetrachtung in den Qualitätsbericht integriert. Somit erhält der Leser einen gesamten Überblick über die Qualität und mögliche Mängel des SPNV in NRW.

Der Qualitätsbericht, der zudem jeweils aktuelle Themen des SPNV in NRW aufgreift, wird im Auftrag des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (VM) erstellt.

Qualitätsbericht SPNV NRW 2019

Alle nachfolgenden Themen, sowie viele darüber hinausführende Informationen, sind im diesjährigen Qualitätsbericht SPNV NRW zu finden.

Nahverkehrsangebot in NRW

In NRW sind 2019 insgesamt ca. 111,2 Mio Zkm angeboten worden. Die 14 im SPNV aktiven EVU verteilen sich dabei auf insgesamt zehn im Transportsektor agierende Dachgesellschaften. Dabei erbringt die DB Regio insgesamt knapp 60% der in NRW angebotenen Verkehrsleistung. Größere Änderungen ergeben sich durch die 2019 in zwei Etappen erfolgte Betriebsaufnahme des RRX-Vorlaufbetrieb bei Abellio und National Express. Abellio erbringt damit nahezu 11%, National Express 5,5% des in NRW bestellten Zkm-Volumens. Eine Übersicht aller in NRW aktiven EVU mitsamt ihren Leistungsanteilen ist im aktuellen Qualitätsbericht auf Seite 11 zu finden. Eine liniengenaue Darstellung der EVU für die Jahre 2019 und ein Ausblick für 2023 ist in den nachfolgenden Karten zum Download bereitgestellt:

Pünktlichkeiten

Erfreulicherweise wurde der negative Trend der letzten drei Jahre 2019 gestoppt. Insgesamt kam es bei jeder der drei Produktgruppen (RE, RB, S-Bahn) zu einer im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Pünktlichkeitsquote. Im Mittel aller untersuchten Nahverkehrslinien erreichten bei einer Verspätungstoleranz von 3:59 Minuten ca. 84,4% der Fahrten ihr Ziel pünktlich. Am pünktlichsten waren erneut die S-Bahn-Linien NRW mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 90,8% (S-Bahn Hannover mit zwei Messpunkten in NRW: 71,1%). Die Pünktlichkeitsquote der Regionalbahnen liegt bei 86,2% und die der RE-Linien bei 80,0%. Die Regionalexpress-Linien weisen trotz der niedrigsten Pünktlichkeitsquote mit einer Steigerung von 1,2 Prozentpunkten den größten Qualitätszuwachs im Vergleich zum Vorjahr auf.

Die nähere Untersuchung der Pünktlichkeitsquoten ist im Bericht ab Seite 24 zu finden. Die Entwicklung der Pünktlichkeitsquoten aller Nahverkehrslinien seit 2015 ist auf den Seiten 70 – 71 aufgeführt. Eine grafische Darstellung der Pünktlichkeitsquoten auf Basis des Regionalverkehrsplans kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Da RE-Linien häufig einen langen Laufweg in Kombination mit hohen Fahrgastzahlen aufweisen, bestehen an verschiedenen Stellen im Linienverlauf Risiken eines Verspätungsaufbaus. Insbesondere für die Linien auf den Hauptstrecken entlang der großen Eisenbahnknoten sind zudem die Möglichkeiten für Fahrzeitpuffer, die gezielt zum Verspätungsabbau eingesetzt werden können, im Rahmen der Fahrplankonstruktion gering. Aus diesem Grund ermöglicht die Analyse der Ankunftspünktlichkeit an einzelnen Messpunkten einer Linie detaillierte Informationen über Streckenabschnitte mit großen Verspätungsrisiken oder Erholungsphasen im Fahrtverlauf einer Nahverkehrslinie. Im Anschluss daran können Aussagen über die Ursachen und Probleme für etwaige Verspätungsgründe getroffen werden. Dazu zählen beispielsweise zeitlich knappe Fahrplankonstruktionen oder dispositive Einflüsse aufgrund von Zugfolgekonflikten mit dem Fernverkehr.

Eine beispielhafte Auswertung der in den Verkehrsverträgen definierten Messpunkte des RE 1 ist nachfolgend dargestellt. Weitere Linienuntersuchungen und Erläuterungen befinden sich im Qualitätsbericht auf den Seiten 26 und 27 sowie 38 und 39.

Zugausfälle

2019 fielen in NRW insgesamt über sechs Millionen bestellte Zkm aus. Dies sind ca. eine halbe Million Zkm mehr als im Vorjahr (Angebot in NRW 2019 insgesamt: ca. 111,2 Mio. Zkm). Besonders die vorhersehbaren Ausfälle (aufgrund von Baumaßnahmen) stiegen 2019 weiter an und erreichten einen neuen Höchstwert, während die nicht vorhersehbaren Zugausfälle (Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur oder fehlendes Personal) in etwa stabil blieben. Der Qualitätsbericht beinhaltet auf den Seiten 32-35 für beide Kategorien Beispiele und Gründe für das Entfallen der Verkehrsleistung. Die Seiten 70 und 71 beinhalten einen Vergleich der Zugausfallquoten aller Nahverkehrslinien über die letzten fünf Jahre. Eine liniengenaue Darstellung der Zugausfälle auf Basis des Regionalverkehrsplans kann hier als PDF heruntergeladen werden:

Analyse des Netzzustands

Die Analyse des Netzzustands anhand der Auswertung der Langsamfahrstellen im Schienennetz NRW zeigt eindeutig, dass sowohl Bautätigkeiten als auch Mängel an der Infrastruktur den Nahverkehr einschränken und auch 2019 auf einem extrem hohen Niveau verharren. Bauarbeiten verursachten 2019 über 60 % aller eingerichteten La-Stellen und stiegen im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich an. Ebenfalls vermehrt treten La-Stellen durch Infrastrukturmängel auf, 2019 stehen sie für 15% aller La-Stellen und haben sich im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozentpunkte erhöht. 2019 waren im Monatsmittel 81 La-Stellen mit einer Länge von zusammen rd. 125 km des Streckennetzes in NRW nur mit verminderter Geschwindigkeit nutzbar. Eine monatsgenaue Auflistung der Anzahl und Länge der Langsamfahrstellen in NRW 2019 nach Ursachen, sowie der Dauer-La-Stellen und La-Stellen im VzG 2019 sind im Qualitätsbericht auf den Seiten 52 – 55 aufgeführt.

Stationsqualität

Die Stationsqualität in NRW konnte 2019 nicht vollumfänglich bestätigt werden. Weiterhin weisen ca. zwei Drittel aller Stationen ein akzeptables Erscheinungsbild auf, der Anteil an nicht akzeptablen Stationen ist jedoch leicht gestiegen. Regional gibt es Unterschiede bei Problemen mit Graffiti, Sauberkeit und Funktionalität, auch der Umgang mit nicht mehr genutzten Anlagen ist weiterhin ungeklärt. Eine stationsscharfe Beurteilung aller in NRW vom SPNV genutzten Verkehrsstationen sowie weitere Informationen zu den aufgestellten Vergleichskriterien sind im Qualitätsbericht auf den Seiten 56 – 61 dargestellt, die grafische Zusammenfassung steht auch nachfolgend als Download zur Verfügung:

Qualitätsverbesserung im RRX-Vorlaufbetrieb

Durch den Start des RRX-Vorlaufbetriebs auf den Linien RE 11 (RRX) im Dezember 2018 und RE 5 (RRX) im Juni 2019 konnte die Betriebsqualität sowohl hinsichtlich der Pünktlichkeit als auch der nicht vorhersehbaren Ausfälle deutlich gesteigert werden. So stieg die Pünktlichkeit beim RE 11 (RRX) im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 %, beim RE 5 (RRX) um 10 %.

Die unvorhersehbaren Ausfälle reduzierten sich beim RE 11 (RRX) um annähernd zwei Drittel, beim RE 5 (RRX) um fast die Hälfte. Gründe hierfür sind die neuen Fahrzeuge inkl. vorgehaltener Betriebsreserven und das neue Instandhaltungskonzept sowie die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in der Betriebszentrale der DB Netz. Durch den gestaffelten Beginn weiterer RRX-Vorlauflinien wird eine weitere Verbesserung der Betriebsqualität erwartet.

Sonderthemen des diesjährigen Qualitätsberichts

Der Qualitätsbericht SPNV NRW beinhaltet stets auch Sonderthemen abseits der klassischen Qualitätsanalyse. Neben dem wiederkehrenden Bericht der Schlichtungsstelle Nahverkehr behandelt der diesjährige Bericht unter anderem die beiden Landesprogramme „Fokus Bahn NRW“ (Seite 42-43) und „Robustes Netz NRW“ (Seite 66-67). Während ersteres die Gewinnung von Fachpersonal zum Ziel hat, ermöglicht das Robuste Netz durch den Ausbau entscheidender Infrastrukturengpässe einen flexiblen Fahrplan auch in Baustellenzeiträumen. Die Maßnahmen des Robusten Netzes können ebenfalls der nachfolgenden Karte entnommen werden. Des Weiteren wurde zusammen mit DB Netz ein Einblick in die Baustellenplanung im Schienenverkehr aufgestellt. Das Thema „Von der Idee zur Baustelle“ ist auf den Seiten 62-63 zu finden.

Qualitätsbericht SPNV NRW 2019 zum Herunterladen:


Siehe auch